GESCHICHTE

Die Herrscher, von denen niemand spricht, aber jeder sprechen sollte

13. Juli 2026 · NT World Travel Redaktion

Die Herrscher, von denen niemand spricht, aber jeder sprechen sollte

Wenn man Jemanden nach ägyptischen Pharaonen fragt, fallen fast immer dieselben zwei, drei Namen. Tutanchamun, Nofretete und vielleicht noch Ramses II. Dabei regierten über drei Jahrtausende hinweg Hunderte Pharaonen über Ägypten, und einige ihrer Geschichten sind mindestens genauso spannend. Zeit, ein paar von ihnen vorzustellen.

Hatschepsut, die Frau, die sich zum König machte

Fangen wir mit der vielleicht bemerkenswertesten Herrscherin überhaupt an. Hatschepsut übernahm um 1479 v. Chr. eigentlich nur die Regentschaft für ihren minderjährigen Stiefsohn Thutmosis III. Doch sie blieb nicht bei dieser Nebenrolle. Innerhalb weniger Jahre ließ sie sich selbst zum Pharao krönen, mit allem, was dazugehörte: künstlichem Bart auf Statuen, männlichen Titeln, der vollen Palette an königlicher Symbolik. Für das damalige Ägypten, in dem das Königtum fest mit Männlichkeit verknüpft war, ein enormer Schritt.

Unter ihrer über zwanzigjährigen Herrschaft blühte das Land regelrecht auf. Sie ließ den prachtvollen Terrassentempel in Deir el Bahari errichten, der bis heute zu den beeindruckendsten Bauwerken Ägyptens zählt, und organisierte eine berühmte Handelsexpedition ins Land Punt, vermutlich im heutigen Ostafrika, von der sie Weihrauch, Ebenholz und sogar lebende Bäume mitbringen ließ. Nach ihrem Tod versuchte man, sie aus der Geschichte zu tilgen. Viele ihrer Statuen wurden zerstört, ihr Name aus offiziellen Listen gestrichen. Erst Jahrtausende später setzten Archäologen die Puzzleteile wieder zusammen und gaben ihr den Platz zurück, der ihr zusteht.

Sobekneferu, die erste sicher belegte Pharaonin

Noch weiter zurück, ans Ende des Mittleren Reichs, um etwa 1806 v. Chr., regierte eine Frau namens Sobekneferu. Sie gilt als die erste Herrscherin Ägyptens, deren Existenz als Pharao eindeutig durch Quellen belegt ist, noch vor Hatschepsut. Ihre Regierungszeit war kurz, vermutlich nur wenige Jahre, doch sie reichte aus, um Bauprojekte anzustoßen und Spuren in Form von Statuen und Siegeln zu hinterlassen, auf denen sie mit weiblichen und männlichen Herrschaftsattributen zugleich dargestellt wird. Über ihr Ende weiß man wenig, doch allein die Tatsache, dass eine Frau in dieser frühen Epoche offen als Pharao auftrat, macht sie zu einer der interessantesten Figuren der ägyptischen Geschichte.

Merenptah, der Pharao, der Israel erwähnte

Merenptah, ein Sohn Ramses II., regierte gegen Ende des 13. Jahrhunderts v. Chr. und musste in seine großen Fußstapfen treten. Militärisch hatte er alle Hände voll zu tun, unter anderem mit Angriffen der sogenannten Seevölker und libyscher Gruppen. Bekannt ist er vor allem wegen einer Siegesstele, die eine der frühesten bekannten Erwähnungen des Namens Israel außerhalb der Bibel enthält. Für Historiker ist dieser kleine Textausschnitt Gold wert, weil er hilft, biblische Erzählungen zeitlich einzuordnen. Ein Herrscher, der nie im Rampenlicht steht, dessen Name aber in jedem Buch über die Frühgeschichte Israels auftaucht.

Taousret, die letzte Königin der 19. Dynastie

Am Ende der 19. Dynastie, kurz vor dem großen Umbruch zur folgenden Herrscherfamilie, bestieg Taousret als Königin und schließlich als eigenständige Pharaonin den Thron. Ihre Herrschaft war turbulent, geprägt von Machtkämpfen und einer Zeit politischer Unsicherheit. Ihr Grab im Tal der Könige wurde später sogar von einem ihrer Nachfolger übernommen und umgestaltet, ein deutliches Zeichen dafür, wie sehr man versuchte, ihre Spuren zu verwischen. Trotzdem ist sie eine der wenigen Frauen, die es geschafft haben, formal die höchste Position im Staat einzunehmen, in einer Zeit, in der das alles andere als selbstverständlich war.

Amenhotep III., der Pharao des goldenen Zeitalters

Wer nach Prunk und Wohlstand sucht, sollte sich mit Amenhotep III. beschäftigen, dem Großvater Tutanchamuns. Unter seiner fast vierzigjährigen Herrschaft erlebte Ägypten eine Phase außergewöhnlichen Reichtums und diplomatischer Vernetzung. Er unterhielt Beziehungen zu Herrschern in Mesopotamien und Anatolien, wie erhaltene Briefwechsel zeigen, und ließ gewaltige Bauprojekte errichten, darunter die berühmten Memnonkolosse, die noch heute bei Luxor stehen. Sein Sohn, bekannt als Echnaton, sollte später mit der Einführung des Sonnenkults für religiösen Aufruhr sorgen, doch Amenhotep III. selbst regierte über eine der stabilsten und reichsten Perioden der ägyptischen Geschichte, ohne dass sein Name heute vielen geläufig ist.

Warum sich der zweite Blick lohnt

Tutanchamun und Nofretete haben zweifellos ihren Platz verdient, aber sie sind eben nur die Spitze eines riesigen Eisbergs. Hinter ihnen liegen Jahrhunderte voller Herrscherinnen und Herrscher, die Kriege führten, Tempel bauten, Handelsrouten öffneten oder schlicht in einer Zeit voller Umbrüche versuchten, ihr Land zusammenzuhalten. Wer auf einer Nilkreuzfahrt durch Luxor, Karnak oder das Tal der Könige spaziert, läuft ständig an Spuren dieser weniger bekannten Namen vorbei, oft ohne es zu merken. Ein Grund mehr, beim nächsten Tempelbesuch genauer hinzuschauen und nach den Namen zu fragen, die nicht auf jeder Postkarte stehen.

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