AKTUELLES AUS ÄGYPTEN

Was der Wüstensand diesen Sommer wieder preisgab

31. Juli 2026 · NT World Travel Redaktion

Was der Wüstensand diesen Sommer wieder preisgab

Manchmal denkt man, in Ägypten sei doch längst alles gefunden. Jede Pyramide vermessen, jede Grabkammer durchleuchtet, jedes Geheimnis irgendwann schon mal in einem Reiseführer erwähnt worden. Und dann, mitten im Sommer 2026, meldet die ägyptische Altertümerbehörde gleich zwei Funde, die zeigen: Das Land unter dem Sand ist längst nicht auserzählt.

Tell Quesna: 560 kleine Figuren und ein Rätsel aus Rhodos

Im Nildelta, in der Provinz Menoufia, gräbt seit Jahren ein ägyptisches Team an einer Nekropole namens Tell Quesna, schon 1991 entdeckt, aber offenbar noch lange nicht ausgeschöpft. Diesen Sommer stießen die Archäologen dort auf eine ganz neue Grabanlage: eine zentrale Halle, von der aus gewölbte Eingänge in mehrere Kammern führen. Die Dächer sind über die Jahrtausende eingestürzt, aber die Struktur lässt sich noch gut nachvollziehen.

Was sie darin fanden, ist die eigentliche Sensation: rund 560 Uschebti Figuren, dazu seltene rituelle Gegenstände, die einiges über die engen Handelsbeziehungen der Region mit dem östlichen Mittelmeerraum verraten. Uschebtis sind diese kleinen Statuetten, die man Verstorbenen mitgab, damit sie im Jenseits stellvertretend für sie arbeiten, eine Art antikes Personal fürs Nachleben. 560 Stück in einem einzigen Komplex ist eine beachtliche Zahl.

Richtig spannend wird es aber bei der Keramik. Unter den Gefäßen fanden sich Importstücke von der griechischen Insel Rhodos, eines davon sogar mit dem eingestempelten Namen seines Herstellers. Man kann sich das kaum plastischer vorstellen: Ein Handwerker auf Rhodos brennt einen Tonkrug, stempelt seinen Namen hinein, und Jahrhunderte später liegt genau dieses Stück in einem Grab im Nildelta. Manche Gefäße enthielten außerdem noch Reste von Substanzen, die vermutlich bei der Mumifizierung verwendet wurden. Einige der Toten waren zudem in einer Haltung bestattet, die die Forscher mit dem Osiris Kult und dem Glauben an die Wiedergeburt in Verbindung bringen.

Ein Detail bleibt besonders hängen: Bei einer bestatteten Person hatte man Keramikteller unter den Armen und zwischen den Oberschenkeln platziert. Niemand weiß bislang genau, warum, aber genau solche kleinen, unerklärten Rituale sind es, die einen daran erinnern, wie viel wir über den Alltag und Glauben der alten Ägypter eigentlich noch nicht wissen.

Sakkara: Drei Gräber, eine Mutter und ein Sohn, der stolz posiert

Nur wenige Wochen zuvor kam die zweite Meldung, diesmal aus Sakkara, genauer aus dem Bubasteion, jenem Teil der Nekropole, der einst der Katzengöttin Bastet geweiht war und im Volksmund lange als „Tore der Katzen" bekannt war. Ein ägyptisches Team legte dort drei in den Fels gehauene Gräber aus dem Neuen Reich frei, direkt an der Ostseite eines Kalksteinhangs.

Von einem der Gräber weiß man bereits, wem es gehörte: einem Mann namens Mentuhotep. An den Nordwänden zeigen fein gearbeitete Szenen Opferträger und Jagdmotive, dazu ein besonders großes Bild, das Mentuhotep sitzend neben seiner Mutter Iahhotep zeigt, offenbar ein bewusstes Statussymbol der Familie. Man muss sich das vorstellen: Vor über 3000 Jahren ließ sich jemand mit seiner Mutter verewigen, auf ewig, in Stein gehauen, für Besucher wie uns, die Jahrtausende später hindurchgehen.

Die zuständige Grabungsleitung geht davon aus, dass dies erst der Anfang ist. In bislang unerforschten Schächten und Bereichen des Bubasteion laufen die Arbeiten weiter, weitere Funde werden für die kommenden Grabungssaisons erwartet. Das Ministerium für Tourismus und Altertümer wertet die Entdeckung als weiteren Beleg dafür, dass Sakkara als UNESCO Welterbe noch lange nicht alle Schätze preisgegeben hat.

Warum uns das auf einer Ägyptenreise interessieren sollte

Man könnte sagen: schön und gut, aber was hat das mit meiner Reise zu tun? Eine ganze Menge, finden wir. Sakkara liegt nur etwa eine halbe Stunde von Kairo entfernt und lässt sich hervorragend mit einem Besuch der Stufenpyramide des Djoser verbinden, dem ältesten monumentalen Steinbauwerk der Welt. Wer dort steht, während im Hintergrund noch echte Ausgrabungen laufen, bekommt ein Gefühl dafür, dass Archäologie in Ägypten kein abgeschlossenes Kapitel, sondern ein lebendiges Feld ist.

Und genau deshalb lohnt es sich, diese Meldungen im Blick zu behalten. Kaum ein Land liefert so regelmäßig neue Schlagzeilen aus der Vergangenheit wie Ägypten, vom Grabkomplex in Tell Quesna über die Gräber im Bubasteion bis zu den größeren Entdeckungen, die es zuletzt sogar bis ins neue Grand Egyptian Museum bei Gizeh geschafft haben. Wir halten euch hier auf dem Laufenden, sobald der Sand das nächste Geheimnis freigibt.

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