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Gold für die letzte Reise: Neue Gräber an Ägyptens Mittelmeerküste entdeckt

12. August 2026 · NT World Travel Redaktion

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Bei Marina el-Alamein an Ägyptens Mittelmeerküste haben Archäologen 18 Gräber aus ptolemäischer und römischer Zeit entdeckt.

Zwischen Alexandria und Marsa Matruh liegt eine archäologische Stätte, die außerhalb Ägyptens bislang nur wenigen Reisenden bekannt ist: Marina el-Alamein. Hier befand sich in ptolemäischer und römischer Zeit eine wohlhabende Küstenstadt, die heute häufig mit dem antiken Leukaspis in Verbindung gebracht wird.

Im Juli 2026 gab das ägyptische Ministerium für Tourismus und Altertümer einen bedeutenden neuen Fund bekannt. Eine ägyptische Grabungsmission entdeckte 18 bislang unbekannte Gräber sowie zahlreiche Beigaben. Besonders viel Aufmerksamkeit erhielten dünne Goldobjekte, die in den Mundbereichen mehrerer Verstorbener gefunden wurden.

In den ersten Meldungen war schnell von „goldenen Zungen“ die Rede. Hinter dieser ungewöhnlichen Bezeichnung verbirgt sich ein alter Bestattungsbrauch – und eine Vorstellung davon, dass der Mensch seine Stimme auch nach dem Tod benötigen könnte.

Elf Felsgräber und sieben oberirdische Grabanlagen

Bei den neu entdeckten Anlagen handelt es sich nicht um einen einheitlichen Grabtyp. Elf Gräber wurden tief in den Fels geschlagen und reichen teilweise bis zu acht Meter unter die Oberfläche. Sieben weitere Grabanlagen entstanden oberirdisch aus Kalksteinblöcken.

Einige Grabkammern waren noch mit ihren ursprünglichen Steinplatten verschlossen. Für die Archäologie ist das besonders wertvoll, denn ungestörte Bestattungen können wesentlich mehr über ihre Entstehungszeit verraten als bereits in der Antike geplünderte Gräber.

Neben den eigentlichen Grabanlagen fanden die Forscher zahlreiche einfachere Bestattungen. Auch ein früherer Brunnen war später als Begräbnisstätte verwendet worden. Die unterschiedlichen Grabformen lassen auf eine sozial vielfältige Bevölkerung schließen. Wohlhabende Familien ließen aufwendige Anlagen errichten, während andere Bewohner in schlichteren Gräbern beigesetzt wurden.

Mit den neuen Entdeckungen erhöhte sich die Zahl der seit 1986 in diesem Bereich dokumentierten Gräber nach Angaben des ägyptischen Ministeriums auf insgesamt 44.

Ein Granitsarkophag mit geschlossenem Deckel

Zu den wichtigsten Einzelfunden gehört ein etwa 2,5 Meter langer Sarkophag aus Granit. Sein schwerer Deckel befand sich bei der Entdeckung noch an seiner ursprünglichen Position.

Im Inneren lagen menschliche Überreste, die wissenschaftlich untersucht werden. Die Forscher hoffen, daraus unter anderem Erkenntnisse über Alter, Geschlecht, Gesundheitszustand und möglicherweise auch die Herkunft des Verstorbenen zu gewinnen.

Ein Granitsarkophag war eine kostspielige Grabausstattung. Schon die Beschaffung des Materials, der Transport und die Bearbeitung verlangten erhebliche Mittel. Der Bestattete dürfte daher einer wohlhabenden oder einflussreichen Familie der Stadt angehört haben.

Daneben wurden vollständig oder teilweise erhaltene Keramikgefäße, Amphoren, Öllampen, Becken und kleine Altäre entdeckt. Solche Gegenstände wurden für Opferhandlungen verwendet oder dem Verstorbenen für das Leben im Jenseits mitgegeben.

Was waren die „goldenen Zungen“?

Nach Angaben des ägyptischen Ministeriums kamen insgesamt 24 dünne Goldamulette zum Vorschein. Mehrere davon lagen im Mundbereich der Toten und werden als sogenannte goldene Zungen interpretiert.

Ähnliche Funde sind bereits von anderen ägyptischen Gräberfeldern aus ptolemäischer und römischer Zeit bekannt. Nach verbreiteter Deutung sollte das goldene Abbild der Zunge dem Verstorbenen ermöglichen, im Jenseits zu sprechen, Gebete und heilige Formeln vorzutragen oder sich beim Totengericht vor Osiris zu rechtfertigen.

Gold besaß in der altägyptischen Vorstellungswelt eine besondere Bedeutung. Aufgrund seines Glanzes und seiner Beständigkeit wurde es mit der Sonne, den Göttern und dem Gedanken der Unvergänglichkeit verbunden.

Allerdings ist bei der Interpretation der neuen Fundstücke etwas Vorsicht angebracht. Nicht jedes dünne Goldobjekt muss zwangsläufig eine Zunge darstellen. Fachleute wiesen darauf hin, dass einzelne Stücke auch andere Formen besitzen könnten – beispielsweise die Gestalt einer Ähre. Die genaue Einordnung wird deshalb Teil der weiteren wissenschaftlichen Untersuchung sein.

Eindeutig identifiziert wurde dagegen ein goldenes Amulett in Form des Horusauges. Dieses Symbol galt als mächtiger Schutz gegen Unheil und sollte dem Verstorbenen Sicherheit und körperliche Unversehrtheit im Jenseits verleihen.

Ägyptische und griechische Götter in derselben Stadt

Die übrigen Funde zeigen, wie eng ägyptische und griechisch-römische Vorstellungen in Marina el-Alamein miteinander verbunden waren.

Entdeckt wurden Überreste einer Figur des Harpokrates, der griechisch-römischen Erscheinungsform des ägyptischen Gottes Horus als Kind. Daneben kam eine unvollendete Marmorskulptur zum Vorschein, die vermutlich die griechische Göttin Aphrodite darstellt.

Auch ein Opferaltar aus Kalkstein verbindet unterschiedliche Traditionen. Seine Gestaltung erinnert möglicherweise an eine altägyptische Scheintür. In den Gräbern des Alten Ägypten markierte eine solche Tür symbolisch den Übergang zwischen der Welt der Lebenden und dem Reich der Toten. Durch sie konnte der Verstorbene nach damaligem Glauben Opfergaben empfangen.

Einige Wissenschaftler halten die Deutung des neuen Fundstücks als Scheintür allerdings noch nicht für abschließend gesichert. Möglich ist auch, dass die Verzierung ein allgemeines Opferzeichen darstellt oder der Altar unvollendet blieb.

Gerade diese offenen Fragen machen den Fund interessant. Archäologie liefert nicht immer sofort eindeutige Antworten. Häufig beginnt mit der Entdeckung erst die eigentliche Forschungsarbeit.

Eine Hafenstadt zwischen Ägypten und dem Mittelmeer

Marina el-Alamein liegt etwa 100 Kilometer westlich von Alexandria. In der Antike befand sich hier eine Hafenstadt, die am Austausch zwischen Ägypten, Nordafrika und der übrigen Mittelmeerwelt beteiligt war.

Die Bewohner lebten in einer Umgebung, in der ägyptische, griechische und später römische Einflüsse zusammentrafen. Das zeigte sich in der Architektur, in religiösen Vorstellungen und offenbar auch bei den Bestattungsritualen.

Die Verstorbenen konnten mit Darstellungen griechischer Gottheiten beigesetzt werden und zugleich altägyptische Schutzamulette erhalten. Eine goldene Zunge, ein Horusauge und eine Aphroditefigur standen dabei nicht zwingend im Widerspruch zueinander. Für viele Menschen jener Zeit gehörten unterschiedliche religiöse Traditionen zu einer gemeinsamen Lebenswelt.

Die neuen Gräber geben deshalb nicht nur Auskunft über den Umgang mit dem Tod. Sie erzählen von der kulturellen Identität einer Stadt, die Ägypten mit der mediterranen Welt verband.

Mehr als die Schlacht von El-Alamein

Der Name El-Alamein wird in Europa meist mit den Schlachten des Zweiten Weltkriegs verbunden. Entlang der Küste liegen mehrere Soldatenfriedhöfe und ein Militärmuseum, die an die Kämpfe von 1942 erinnern.

Die archäologische Stätte von Marina zeigt jedoch eine wesentlich ältere Seite der Region. Bereits viele Jahrhunderte zuvor existierte hier eine bedeutende Stadt mit Wohnvierteln, öffentlichen Gebäuden, Bädern, religiösen Anlagen und ausgedehnten Friedhöfen.

Die jüngsten Entdeckungen könnten dazu beitragen, dass dieser Teil der ägyptischen Mittelmeerküste künftig stärker als kulturhistorisches Reiseziel wahrgenommen wird.

Für Gäste von [Niltours](https://www.niltours.de/) können wir einen Besuch von Marina el-Alamein auf Wunsch prüfen und im Rahmen einer individuell geplanten Reise organisieren. Besonders sinnvoll ist dies bei einer Verbindung von Kairo und Alexandria mit weiteren Stationen an der ägyptischen Mittelmeerküste. Da an archäologischen Stätten Grabungs- oder Sicherungsarbeiten stattfinden können, richtet sich die konkrete Durchführung nach der jeweiligen Zugänglichkeit vor Ort.

*Stand der Informationen: August 2026. Quellen: Mitteilung des ägyptischen Ministeriums für Tourismus und Altertümer, zusammengefasst bei [HeritageDaily](https://www.heritagedaily.com/2026/07/ministry-announces-several-major-new-discoveries-at-marina-alamein/158518), [Live Science](https://www.livescience.com/archaeology/ancient-egyptians/18-ancient-egyptian-tombs-with-dozens-of-gold-tongues-discovered-along-the-mediterranean-coast) und [Euronews](https://www.euronews.com/culture/2026/07/09/archaeology-18-ancient-tombs-in-egypt-yield-golden-tongue-amulets).*
Bildnachweis: Foto: Roland Unger / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

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