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Im Schatten der Hatschepsut: Luxors Boden gibt neue Geheimnisse preis

20. Februar 2025 · NT World Travel Redaktion

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Gräber, Mumien, Münzen und wiederverwendete Tempelsteine: Neue Funde am Westufer von Luxor erzählen von mehreren Epochen der ägyptischen Geschichte.

Wer vor dem Totentempel der Hatschepsut steht, blickt auf eines der bekanntesten Bauwerke Ägyptens. Doch nicht nur die sichtbaren Terrassen, Säulenhallen und Reliefs erzählen Geschichte. Auch unter dem Boden und in der näheren Umgebung liegen noch immer Spuren vergangener Epochen verborgen.

Eine ägyptische archäologische Mission hat im Bereich des ehemaligen Taltempels und des Aufwegs der Hatschepsut bedeutende Funde gemacht. Die Ausgrabungen am Westufer von Luxor brachten Gräber, Mumien, Münzen und Alltagsgegenstände aus unterschiedlichen Perioden ans Licht. Besonders aufschlussreich ist ein Teil einer großen Nekropole aus ptolemäischer Zeit.

Die Entdeckungen zeigen, wie ein historischer Ort über Jahrtausende hinweg genutzt, verändert und immer wieder neu interpretiert wurde.

Eine Nekropole aus der Zeit der Ptolemäer

Nach dem Tod Alexanders des Großen übernahm Ptolemaios I., einer seiner früheren Feldherren, die Herrschaft in Ägypten. Im Jahr 305 vor Christus begründete er die ptolemäische Dynastie, die bis zum Tod Kleopatras VII. und der römischen Übernahme Ägyptens im Jahr 30 vor Christus bestand.

Aus dieser Zeit stammt die weitläufige Grabanlage, die in Teilen im Gebiet von Asasif freigelegt wurde. Die Nekropole befand sich in unmittelbarer Nähe älterer Tempel- und Grabanlagen und nutzte einen Ort, der bereits seit vielen Jahrhunderten religiöse Bedeutung besaß.

Die Archäologen entdeckten verschiedene Grabformen. Einige bestanden aus oberirdischen Räumen aus Lehmziegeln, von denen Schächte zu den eigentlichen Grabkammern im Fels führten. In den oberen Räumen konnten sich Angehörige versammeln, Opfer darbringen und Rituale für die Verstorbenen durchführen.

Daneben gab es größere Familiengräber mit mehreren Kammern und gewölbten Dächern. Sie waren für die Bestattung mehrerer Menschen bestimmt. Einfachere Gräber lagen näher an der Oberfläche und enthielten meist nur einen Verstorbenen sowie wenige Beigaben.

Die unterschiedlichen Bestattungen geben damit auch einen Einblick in die sozialen Verhältnisse der damaligen Bevölkerung.

Münzen, Figuren und persönliche Gegenstände

Unter den Grabbeigaben befanden sich Bronzemünzen mit dem Bild Alexanders des Großen und dem Namen Ptolemaios’ I. Sie sind ein sichtbares Zeichen für den politischen Wandel, den Ägypten nach der Eroberung durch Alexander erlebte.

Gleichzeitig blieben zahlreiche ägyptische Traditionen erhalten. Das zeigt sich besonders an den Bestattungsritualen und religiösen Darstellungen.

Zu den Funden gehören kleine Terrakottafiguren in Form von Menschen, Tieren und Vögeln. Einige der menschlichen Figuren werden als Spielzeug oder Puppen gedeutet, die verstorbenen Kindern mit ins Grab gegeben wurden.

Ein ungewöhnliches Gefäß zeigt den Gott Bes. Der kleinwüchsig dargestellte Schutzgott sollte insbesondere Familien, Schwangere, Mütter und Kinder vor Gefahren bewahren. Außerdem fanden die Archäologen kleine Behälter, die vermutlich zur Aufbewahrung von Kosmetika dienten.

Solche persönlichen Gegenstände erzählen keine Geschichte von Pharaonen und großen Schlachten. Dafür ermöglichen sie einen seltenen Blick auf das private Leben, die Hoffnungen und die Sorgen gewöhnlicher Menschen.

Bestattungen zwischen Tradition und Wandel

Auch die erhaltenen Körper zeigen unterschiedliche Bestattungsformen. Einige Verstorbene waren mit Natronsalz getrocknet und anschließend sorgfältig in Leinen gewickelt worden.

Wohlhabendere Menschen erhielten eine aufwendigere Ausstattung. Ihre Mumien waren teilweise mit bemalter Kartonage bedeckt – mehreren miteinander verbundenen Lagen aus Leinen und Gips.

Darauf erschienen farbige Szenen aus dem altägyptischen Totenglauben. Zu sehen waren unter anderem Darstellungen aus dem Totenbuch, Opferhandlungen, die vier Horussöhne und das Totengericht. Dort musste sich der Verstorbene symbolisch für sein Leben verantworten, bevor er in die jenseitige Welt eintreten konnte.

Obwohl Ägypten zu dieser Zeit von einer griechischstämmigen Dynastie regiert wurde, folgte die einheimische Bevölkerung weiterhin vielen traditionellen religiösen Vorstellungen. Griechische und ägyptische Einflüsse bestanden nebeneinander und verbanden sich im Laufe der Zeit auf unterschiedliche Weise.

Wenn alte Bauwerke zu neuem Baumaterial werden

Eine der interessantesten Erkenntnisse betrifft die Wiederverwendung älterer Steine. In mehreren ptolemäischen Gräbern wurden Bauteile entdeckt, die ursprünglich aus wesentlich älteren Tempeln, Kapellen oder Grabanlagen stammten.

So bestand ein steinerner Sarg aus Sandsteinplatten, die vermutlich zuvor zu einer Kapelle einer Gottesgemahlin des Amun gehört hatten. Dieser bedeutende religiöse Titel wurde vor allem während der Spätzeit von Frauen aus dem königlichen Umfeld getragen.

Auch eine Grabstele des Schreibers Padi-Hor hatte eine neue Funktion erhalten: Sie war als einfache Bodenplatte in eine später errichtete Grabkapelle eingebaut worden. Weitere Steine stammten aus dem Taltempel der Hatschepsut und wurden für Wände, Türstürze oder andere Bauelemente ptolemäischer Gräber verwendet.

Ob diese Stücke bewusst aus noch bestehenden Anlagen entfernt wurden oder bereits lose und beschädigt auf dem Gelände lagen, lässt sich heute nicht mehr sicher feststellen.

Ihre Wiederverwendung macht jedoch deutlich, dass auch die Menschen der Antike zwischen Monumenten lebten, die für sie bereits sehr alt waren. Luxor war schon damals eine Landschaft aus sichtbaren Ruinen, erhaltenen Heiligtümern und längst vergessenen Gräbern.

Mehr als 1.000 Fragmente aus Hatschepsuts Taltempel

Neben der ptolemäischen Nekropole entdeckte das Grabungsteam auch Überreste des Taltempels der Hatschepsut. Er bildete einst den Eingang zu ihrem weitläufigen Tempelkomplex und war über einen Aufweg mit dem höher gelegenen Terrassentempel von Deir el-Bahari verbunden.

Mehr als 1.000 verzierte Steinblöcke und Fragmente konnten freigelegt werden. Einige tragen noch erstaunlich kräftige Farben und zeigen Hatschepsut sowie ihren Nachfolger Thutmosis III.

Darüber hinaus fanden die Archäologen zahlreiche Kalkstein- und Quarzitplatten mit den Namensringen der Königin. Eine Inschrift nennt Senenmut, einen der wichtigsten Beamten und Baumeister aus der Regierungszeit Hatschepsuts.

Die Fundstücke helfen dabei, Aussehen und Bildprogramm des weitgehend zerstörten Taltempels besser zu verstehen. Sie ergänzen damit das bekannte Bild des Tempels, dessen obere Anlage heute zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Luxors gehört.

Die Suche geht weiter

Die Grabungsarbeiten im nördlichen Teil des Geländes werden fortgesetzt. Das Team hofft dort auf Spuren weiterer Statuen der Hatschepsut.

Diese Hoffnung hat einen historischen Hintergrund: Der amerikanische Archäologe Herbert Winlock entdeckte bereits vor rund einem Jahrhundert in der Nähe des oberen Tempels ein Versteck mit zerbrochenen Statuen der Königin.

Hatschepsut ließ sich in unterschiedlichen Formen darstellen – als stehende oder sitzende Herrscherin, in Gebetshaltung und auch als Sphinx. Viele ihrer Bildnisse wurden nach ihrem Tod beschädigt oder zerschlagen. Deshalb halten es die Archäologen für möglich, dass weitere Fragmente gesammelt und in einem bislang unbekannten Versteck niedergelegt wurden.

Ob eine solche Statuenansammlung tatsächlich existiert, ist bislang nicht bewiesen. Gerade darin liegt jedoch die Spannung archäologischer Arbeit: Eine begründete Vermutung kann jahrelang ohne Ergebnis bleiben – oder mit dem nächsten freigelegten Fund eine neue Richtung nehmen.

Luxor ist noch lange nicht vollständig erforscht

Die neuen Entdeckungen erinnern daran, dass Luxor kein abgeschlossenes Kapitel der Geschichte ist. Zwischen bekannten Tempeln und Königsgräbern arbeiten ägyptische und internationale Teams weiterhin daran, Fundstücke zu sichern und historische Zusammenhänge neu zu bewerten.

Besucher sehen meist nur einen kleinen Teil dieser gewaltigen Kulturlandschaft. Wer das Westufer mit einer fachkundigen Reiseleitung erkundet, nimmt deshalb nicht nur einzelne Monumente wahr. Er erkennt auch, wie Gräber, Totentempel, Siedlungen und spätere Bauwerke über Jahrtausende hinweg miteinander verbunden waren.

Der Totentempel der Hatschepsut gehört zu den Höhepunkten vieler Nilreisen. Informationen zu unseren Ägyptenprogrammen finden Sie auf [niltours.de]. Vielleicht liegt die größte Faszination Luxors aber darin, dass selbst an seinen berühmtesten Orten noch längst nicht alles entdeckt ist.

*Quellen: Bekanntgabe der ägyptischen Grabungsmission vom 8. Januar 2025 sowie ergänzende Erläuterungen des Grabungsleiters Zahi Hawass vom 19. Februar 2025.*

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