UNSERE ANGEBOTE

Sonnenwunder von Abu Simbel: Wenn Ramses II. vom Licht getroffen wird

22. Oktober 2025 · NT World Travel Redaktion

sonnenwunder-abu-simbel-ramses-ii

Zweimal jährlich erreicht die aufgehende Sonne das Allerheiligste von Abu Simbel und beleuchtet Ramses II. Erfahren Sie, was hinter diesem einzigartigen Phänomen steckt.

Zweimal im Jahr geschieht im Großen Tempel von Abu Simbel etwas Außergewöhnliches: Kurz nach Sonnenaufgang dringen die ersten Strahlen tief in das Innere des Felsentempels ein. Sie durchqueren Hallen und Korridore, bis sie schließlich das Allerheiligste erreichen und dort die Statuen von Ramses II., Amun-Re und Re-Harachte beleuchten.

Die vierte Figur bleibt im Schatten. Es ist Ptah, der unter anderem mit der Unterwelt verbunden war.

Am 22. Oktober 2025 versammelten sich rund 4.000 ägyptische und internationale Besucher vor dem Tempel, um diesen besonderen Moment zu erleben. Genau 22 Minuten lang, von 6:54 bis 7:16 Uhr, fiel das Sonnenlicht bis in den innersten Raum der mehr als 3.000 Jahre alten Anlage.

Ein Tempel, der mit der Sonne geplant wurde

Ramses II. ließ den Großen Tempel von Abu Simbel im 13. Jahrhundert vor Christus direkt aus dem Felsen schlagen. Schon die Fassade mit ihren vier rund 20 Meter hohen Sitzfiguren des Pharaos zeigt, welchen Eindruck das Bauwerk hinterlassen sollte.

Doch die eigentliche Überraschung liegt tief im Inneren.

Von seinem Eingang aus erstreckt sich der Tempel etwa 60 Meter in den Fels. Seine Achse ist so ausgerichtet, dass das Licht der aufgehenden Sonne an zwei Tagen im Jahr bis zum Allerheiligsten vordringt.

Dort sitzen vier aus dem Fels gearbeitete Figuren: Re-Harachte, der vergöttlichte Ramses II., Amun-Re und Ptah. Während die ersten drei vom Sonnenlicht erfasst werden, bleibt Ptah im Dunkeln. Das passt zu seiner Verbindung mit der Unterwelt und verleiht dem gesamten Vorgang eine besondere Symbolik.

Wie die altägyptischen Baumeister die Bewegung der Sonne beobachteten und beim Bau des Tempels berücksichtigten, ist bis heute beeindruckend.

Warum findet das Sonnenwunder zweimal jährlich statt?

Das Phänomen ist heute jedes Jahr am 22. Februar und am 22. Oktober zu sehen. Häufig heißt es, diese Termine hätten mit der Geburt und der Thronbesteigung Ramses’ II. zu tun.

Diese Erklärung ist populär, historisch aber nicht zweifelsfrei belegt. Sicher ist hingegen, dass die Ausrichtung des Tempels bewusst gewählt wurde. Die Sonne sollte bis in das Heiligtum vordringen und den vergöttlichten Herrscher gemeinsam mit Amun-Re und Re-Harachte ins Licht setzen.

Damit war das Sonnenlicht nicht nur ein beeindruckender Effekt. Es war Teil der religiösen Botschaft des Tempels und unterstrich die besondere Stellung des Pharaos.

Ein besonderer Morgen am 22. Oktober 2025

Schon lange vor Sonnenaufgang warteten die Besucher vor der Tempelanlage. Als das Licht schließlich den innersten Raum erreichte, wurde das Ereignis auch auf großen Bildschirmen im Tempelhof übertragen.

So konnten wesentlich mehr Menschen den Moment verfolgen, als im engen Allerheiligsten Platz gefunden hätten. Weitere Zuschauer sahen die Übertragung im Fernsehen und über internationale Medien.

Begleitet wurde das Sonnenwunder von kulturellen Veranstaltungen und folkloristischen Darbietungen. Abu Simbel wird an diesen beiden Tagen nicht nur zum Schauplatz eines astronomischen Phänomens, sondern auch zu einem Ort, an dem sich Geschichte und das heutige kulturelle Leben Ägyptens begegnen.

Die Rettung der Tempel von Abu Simbel

Dass wir Abu Simbel heute überhaupt noch besuchen können, ist einem der aufwendigsten Rettungsprojekte der Archäologiegeschichte zu verdanken.

Durch den Bau des Assuan-Staudamms und die Entstehung des Nassersees drohten die Tempel in den 1960er-Jahren überflutet zu werden. Unter Leitung der UNESCO begann deshalb eine internationale Rettungsaktion.

Der Große Tempel Ramses’ II. und der benachbarte Tempel der Nefertari wurden in große Blöcke zerlegt und an einer höher gelegenen Stelle wieder aufgebaut. Dabei musste nicht nur die äußere Erscheinung erhalten bleiben. Auch die Ausrichtung zur Sonne sollte so genau wie möglich rekonstruiert werden.

Bis 1968 wurden die Tempel rund 65 Meter höher und etwa 200 Meter vom ursprünglichen Standort entfernt wieder zusammengesetzt. Dass die Sonnenstrahlen auch heute noch zweimal jährlich in das Allerheiligste gelangen, macht die Rettung von Abu Simbel selbst zu einer bemerkenswerten Ingenieurleistung.

Auch ohne Sonnenwunder eine Reise wert

Der Sonnenaufgang am 22. Februar und 22. Oktober ist zweifellos ein besonderes Erlebnis. Doch Abu Simbel lohnt sich zu jeder Jahreszeit.

Die vier Kolossalstatuen an der Fassade, die Reliefs im Inneren und die Darstellungen der Schlacht von Kadesch zählen zu den eindrucksvollsten Zeugnissen der Herrschaft Ramses’ II.

Unmittelbar daneben befindet sich der kleinere Tempel, den der Pharao der Göttin Hathor und seiner Großen Königlichen Gemahlin Nefertari widmete. Bemerkenswert ist, dass Nefertaris Figuren an der Fassade nahezu die gleiche Größe wie die ihres Gemahls besitzen – eine in der ägyptischen Tempelarchitektur seltene Darstellung.

Auch die Lage am Nassersee trägt zur besonderen Atmosphäre bei. Die monumentalen Fassaden, das ruhige Wasser und die umgebende Wüstenlandschaft machen Abu Simbel zu einem Ort, der vielen Reisenden lange in Erinnerung bleibt.

Abu Simbel mit NT World Travel erleben

Abu Simbel lässt sich auf unterschiedliche Weise in eine Ägyptenreise einbinden. Bei ausgewählten Reisen ist eine Übernachtung in Abu Simbel bereits vorgesehen. Dadurch bleibt mehr Zeit für die Tempelanlage, und der Besuch kann deutlich entspannter gestaltet werden als bei einem kurzen Tagesausflug.

Je nach Reiseprogramm kann Abu Simbel mit Kairo, einer Nilkreuzfahrt, einer Reise auf einer traditionellen Dahabeya oder einem Aufenthalt am Nassersee verbunden werden. Auch die abendliche Ton- und Lichtshow ist bei einer Übernachtung vor Ort optional möglich.

Bei anderen Reiseverläufen kann der Ausflug von Assuan aus vor Ort hinzugebucht werden. Unsere deutschsprachige, lizenzierte Reiseleitung erklärt dabei nicht nur die Bauwerke, sondern auch die geschichtlichen und religiösen Zusammenhänge.

Wer das Sonnenwunder selbst erleben möchte, sollte frühzeitig planen. Rund um den 22. Februar und den 22. Oktober ist die Nachfrage besonders hoch, und nicht jeder Besucher kann gleichzeitig einen freien Blick in das Allerheiligste erhalten.

Ob während des Sonnenphänomens oder an einem ruhigeren Tag: Abu Simbel gehört zu den Orten, an denen die außergewöhnlichen Fähigkeiten der altägyptischen Baumeister besonders unmittelbar spürbar werden.

Sie planen Ihre Ägyptenreise?Wir beraten Sie persönlich und finden die passende Kombination.
Zu unseren Reisen