ESSEN & KULINARIK

Von Om Ali bis Kunafa: Ägyptens süße Klassiker

24. Februar 2026 · NT World Travel Redaktion

Von Om Ali bis Kunafa: Ägyptens süße Klassiker

Om Ali, Kunafa, Basbousa und Zalabya: Ägyptens Süßspeisen stecken voller Geschichte, von einem Sultaninnenstreit bis zu jahrhundertealtem Handwerk. Wir stellen die beliebtesten Klassiker vor.

Kaum ein Kapitel der ägyptischen Küche ist so reich an Geschichten wie das der Süßspeisen. Fast jedes Dessert, das hier auf den Tisch kommt, trägt eine eigene kleine Legende in sich, mal geht es um einen historischen Sultanenstreit, mal um jahrhundertealte Handwerkskunst. Zeit, ein paar dieser süßen Klassiker und ihre Geschichten näher vorzustellen.

Om Ali, das Dessert einer siegreichen Frau

Kein anderes ägyptisches Dessert trägt eine so dramatische Entstehungsgeschichte wie Om Ali, ein warmer, cremiger Brotpudding mit Milch, Nüssen und Rosinen. Der Legende nach geht das Gericht auf die Zeit der Mamluken zurück, ins 13. Jahrhundert. Nach dem Tod des Sultans Izz ad-Din Aibak im Jahr 1257 kam es zwischen seiner ersten Frau, genannt Om Ali, und seiner zweiten, mächtigen Frau Shajar al-Durr zu einem erbitterten Machtkampf, der schließlich mit dem Tod der zweiten Frau endete. Um ihren Sieg zu feiern, ließ Om Ali dieses reichhaltige, süße Milchgericht zubereiten und unter der Bevölkerung verteilen, ein Freudenfest in Dessertform, das ihren Namen bis heute trägt.

Bis heute gilt Om Ali vielen als das eigentliche Nationaldessert Ägyptens, kaum ein Ägypter kann einer Schüssel davon widerstehen. Traditionell wird dabei Blätterteig mit heißer, oft mit Rosenwasser oder Orangenblütenwasser aromatisierter Milch übergossen und mit gehackten Nüssen sowie Rosinen bestreut, ein Gericht, das eher an einen herzhaften Auflauf als an eine klassische Süßspeise erinnert, dabei aber unwiderstehlich süß und cremig ist.

Kunafa, das goldene Fadengewirr

Kaum eine Süßspeise wird in der gesamten arabischen Welt derart geschätzt wie Kunafa, hauchdünne, fadenartige Teignudeln, die mit einer Füllung aus Sahne, Käse oder gerösteten Nüssen geschichtet und anschließend gebacken oder frittiert werden. Anders als vielfach angenommen, sind die Wurzeln von Kunafa rein arabisch und nicht türkisch, erstmals serviert wurde sie der Überlieferung nach während des Ramadan in der Zeit der Umayyaden Dynastie, als der damalige Kalif Muawiyah seinen Koch beauftragte, ein besonders sättigendes Gericht zuzubereiten, das ihm half, die Fastenzeit besser zu überstehen.

Die Herstellung der charakteristischen Fadennudeln selbst ist fast schon eine eigene Kunstform. Ein Kanafani genannter Handwerker lässt dabei flüssigen Teig durch ein duschkopfartiges Werkzeug über eine heiße, rotierende Platte laufen, wo er sich augenblicklich in feine, haarähnliche Fäden verwandelt, ein fast hypnotisch anzusehender Vorgang. In Ägypten wird Kunafa traditionell mit Sahne gefüllt, während in der Levante eher Käsevarianten wie die berühmte Kunafa Nabulsi verbreitet sind, eine Version, die inzwischen aber auch in Ägypten immer beliebter wird. Besonders während des Ramadan überbieten sich Konditoreien Jahr für Jahr mit neuen Füllungen, von Mango über Nutella bis hin zu Red Velvet Teig ist inzwischen fast alles zu finden.

Basbousa, der Grießkuchen mit vielen Gesichtern

Ein weiterer fester Bestandteil ägyptischer Süßspeisentische ist Basbousa, ein in Sirup getränkter Grießkuchen, der in praktisch jedem Land der arabischen Welt in eigenen Varianten existiert. In Ägypten wird sie gerne mit Kokosraspeln oder gehackten Nüssen bestreut serviert, wobei sich Basbousa auch regional unterscheidet, in Alexandria etwa findet sich mit Harissa eine dickere, andere Variante des Grießkuchens, die in dieser Form ausschließlich dort verkauft wird und bei Besuchern aus Kairo so beliebt ist, dass sie regelmäßig größere Mengen mit nach Hause nehmen.

Zalabya, kleine goldene Bissen vom Straßenstand

Wer durch ägyptische Städte schlendert, wird früher oder später an einem Stand mit Zalabya vorbeikommen, kleinen, runden, frittierten Teigbällchen, die am ehesten an den fehlenden Ring eines Donuts erinnern. Serviert werden sie warm, getaucht in Honig, Zuckersirup oder, in modernerer Variante, auch in geschmolzene Schokolade. Ihr zweiter, ebenso gebräuchlicher Name, Loqmet al Qadi, übersetzt etwa der Bissen des Richters, lässt erahnen, wie beliebt dieses kleine, unkomplizierte Gebäck seit jeher in der ägyptischen Straßenküche ist.

Qatayef, der Klassiker der Ramadan Nächte

Besonders während des Ramadan taucht ein weiteres Dessert regelmäßig auf den Tischen auf: Qatayef, kleine, gefüllte Teigtaschen, die am ehesten wie fluffige Pfannkuchen wirken. Gefüllt werden sie klassisch mit einer Mischung aus Nüssen und Zucker oder mit Qashta, einer Art dickflüssiger Sahne, anschließend werden sie frittiert oder gebacken und mit Zuckersirup übergossen. Historisch wird Qatayef häufig mit der Fatimiden Dynastie in Verbindung gebracht, manche Quellen verorten seinen Ursprung sogar noch früher, in der Zeit der Abbasiden Kalifen.

Eine süße Reise durch Jahrhunderte

Was all diese Süßspeisen verbindet, ist ihre lange, oft Jahrhunderte zurückreichende Geschichte, verwurzelt in königlichen Höfen, religiösen Festen und dem ganz normalen Alltag der Menschen. Wer sich während einer Ägyptenreise durch Om Ali, Kunafa, Basbousa, Zalabya und Qatayef probiert, bekommt damit nicht nur einen vollen Magen, sondern auch ein kleines Stück ägyptischer Geschichte serviert, in einer Form, die sich einfacher genießen lässt als jedes Geschichtsbuch.

Ihr wollt euch während eurer Reise selbst durch die süße Seite Ägyptens probieren? Ob während eurer Nilkreuzfahrt, im Hotel oder auf euren Touren werden euch die beliebtesten ägyptische Süßspeisen nicht entgehen.

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