KAIRO & KULTUR

Das Grand Egyptian Museum: Ein Jahrhundertprojekt öffnet seine Tore

15. November 2025 · NT World Travel Redaktion

Die goldene Totenmaske Tutanchamuns – seit 1922 eines der berühmtesten Kunstwerke der Welt, heute im Grand Egyptian Museum in Gizeh ausgestellt.

Das Grand Egyptian Museum (GEM) in Gizeh, nach über 30 Jahren Planung und Bau am 1. November 2025 offiziell eröffnet, ist mit über 100.000 Artefakten aus sieben Jahrtausenden das weltweit größte Museum, das einer einzigen Zivilisation gewidmet ist.

Nach mehr als drei Jahrzehnten Planung, Bau und immer wieder neuen Verzögerungen ist es seit November 2025 endlich Realität: Das Grand Egyptian Museum (GEM) in Gizeh hat eröffnet und gilt inzwischen als eines der bedeutendsten kulturellen Ereignisse der letzten Jahre. Wer sich für das alte Ägypten interessiert, kommt an diesem Ort kaum noch vorbei.

Die Idee zum GEM entstand bereits 1992. Der eigentliche Bau begann 2005, zog sich aber über zwei Jahrzehnte hin. Immer wieder wurde ein Eröffnungstermin angekündigt und wieder verschoben – zunächst 2018, dann 2020, dann 2023. Erst am 1. November 2025 war es so weit: Eine feierliche Eröffnungszeremonie mit zahlreichen Staats- und Regierungschefs, darunter Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, markierte den offiziellen Abschluss des Projekts. Drei Tage später, am 4. November, öffneten sich die Tore auch für die breite Öffentlichkeit.

Das GEM ist kein gewöhnliches Museum. Mit einer Ausstellungsfläche, die Hunderttausende Quadratmeter umfasst, und über 100.000 Artefakten aus rund sieben Jahrtausenden ägyptischer Geschichte gilt es als das größte Museum der Welt, das einer einzigen Zivilisation gewidmet ist. Nur rund zwei Kilometer von den Pyramiden von Gizeh entfernt gelegen, verbindet der Bau moderne Architektur mit dem Blick auf die vielleicht berühmteste Kulisse der Menschheitsgeschichte.

Herzstück der Anlage ist die sechsstöckige Große Treppe, gesäumt von Statuen und Sarkophagen, die zu einem riesigen Panoramafenster hinaufführt – von dort aus blickt man direkt auf die Pyramiden. Im Atrium empfängt eine kolossale Ramses-II.-Statue die Besucher.

Der eigentliche Clou des Museums ist jedoch die Tutanchamun-Ausstellung. Zum ersten Mal seit der Entdeckung des Grabes durch den britischen Archäologen Howard Carter im Jahr 1922 wird der gesamte Grabschatz an einem Ort gezeigt – über 5.000 Objekte, viele davon nie zuvor öffentlich ausgestellt. Bislang waren nur etwa 1.800 der über 5.500 gefundenen Stücke überhaupt zu sehen gewesen.

Die berühmte goldene Totenmaske ist in einem eigens gestalteten, halboffenen Raum mit vierzehn Lichtquellen in Szene gesetzt und bildet gemeinsam mit einer 80 Meter langen und 18 Meter breiten Galerie das emotionale Zentrum der Schau. Besucher können sich für zwei verschiedene Wege durch die Ausstellung entscheiden: Der eine erzählt die Lebensgeschichte des jungen Pharaos, von seiner Herkunft bis zu seinem frühen Tod. Der andere folgt der Spur Howard Carters und beginnt mit einem detailgetreuen Modell der nur 35 Quadratmeter kleinen Grabkammer, wie sie 1922 vorgefunden wurde.

Bei der ersten großen Präsentation waren rund 4.500 Objekte gleichzeitig zu sehen, darunter goldene Streitwagen, Schmuck, der Thron und, in einem eigenen Raum, die mumifizierten Überreste zweier Töchter Tutanchamuns, die als Totgeburten zur Welt kamen und nun erstmals öffentlich gezeigt werden.

Die Restaurierung dieser Schätze war eine eigene Leistung für sich: Seit 2017 arbeiteten rund 150 Restauratorinnen und Restauratoren an den Objekten. Besonders anspruchsvoll war etwa der Lederschuppenpanzer, der aus unzähligen Einzelteilen wieder zusammengesetzt werden musste, oder Tutanchamuns Schild, für dessen Rekonstruktion mangels verlässlicher Vorlagen aufwendige wissenschaftliche Analysen nötig waren.

So sehr der junge Pharao im Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit steht – das GEM ist weit mehr als eine Tutanchamun-Schau. Die Sammlung reicht von prähistorischen Funden aus der Zeit um 700.000 v. Chr. bis in die römische Epoche des 4. Jahrhunderts n. Chr. Statuen, Sarkophage und Stelen erzählen von Königtum, Gesellschaft und religiösen Vorstellungen der alten Ägypter und geben einen umfassenden Einblick in die Vorstellung vom Leben nach dem Tod, die diese Kultur so tief geprägt hat.

Interessant für hiesige Leser: Am GEM waren auch deutsche Unternehmen maßgeblich beteiligt. Die Ausstellungsgestaltung stammt vom Stuttgarter Atelier Brückner, während ein hessisches Familienunternehmen aus Frankfurt die hochsicheren Vitrinen lieferte, hinter denen die wertvollsten Stücke – allen voran die Totenmaske – geschützt präsentiert werden. Altägyptische Kunstschätze treffen hier auf deutsche Ingenieurskunst.

Wer selbst hinreisen möchte, sollte einiges beachten: Der Vor-Ort-Ticketverkauf wurde eingestellt, Zeitfenster müssen inzwischen vorab online über das offizielle Ticketportal gebucht werden. Für ausländische Erwachsene liegt der Eintrittspreis 2026 bei umgerechnet rund 30 US-Dollar, ermäßigt für 13- bis 25-Jährige sowie Kinder von 6 bis 12 Jahren bei etwa 15 US-Dollar. Kinder unter sechs Jahren haben freien Eintritt. Angesichts von täglich rund 19.000 Besuchern lohnt sich eine frühzeitige Planung in jedem Fall.

Und wer sich diese Planung lieber abnehmen lässt, ist bei uns genau richtig: Ganz gleich, für welches Reisepaket Sie sich bei NT World Travels entscheiden – ein Besuch des Grand Egyptian Museum ist in jeder unserer Ägypten-Reisen fest enthalten. Zu eindrucksvoll ist dieses Jahrhundertprojekt, als dass wir es Ihnen vorenthalten möchten. Begleitet werden Sie dabei stets von unseren deutschsprachigen Reiseführern vor Ort, die Ihnen die Geschichten hinter den Exponaten lebendig und verständlich näherbringen.

Das Grand Egyptian Museum ist weit mehr als ein neues Ausflugsziel bei Kairo. Es ist der monumentale Schlusspunkt eines über dreißig Jahre währenden Projekts, das Ägyptens reiches kulturelles Erbe erstmals in seiner Gesamtheit an einem einzigen, würdigen Ort präsentiert. Wer in den kommenden Jahren nach Ägypten reist, wird um einen Besuch kaum herumkommen und sollte genug Zeit einplanen, denn ein Rundgang durch dieses besondere Museum lässt sich kaum an einem Nachmittag abschließen.

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