KAIRO & KULTUR

Nagib Machfus: Ägyptens Literaturnobelpreisträger und seine Stadt

10. Oktober 2026 · NT World Travel Redaktion

Nagib Machfus: Ägyptens Literaturnobelpreisträger und seine Stadt

Nagib Machfus war der erste arabische Literaturnobelpreisträger und hat Kairo zur Hauptfigur seiner Romane gemacht. Wir stellen sein Leben und seine wichtigsten Bücher vor und zeigen, wie man seine Welt in Kairo entdeckt.

Es gibt Städte, die ihre Dichter haben, und es gibt einen Dichter, der seine Stadt so beschrieben hat, dass man sie danach mit anderen Augen sieht. Nagib Machfus hat Kairo zur Hauptfigur der arabischen Literatur gemacht. Als erster Schriftsteller der arabischen Welt erhielt er 1988 den Nobelpreis für Literatur. Wer Kairo besucht, tut gut daran, ein wenig von ihm zu kennen.

Ein Junge aus der Altstadt

Machfus wurde am 11. Dezember 1911 in Kairo geboren und wuchs im Viertel Gamaliya auf, mitten in der historischen Altstadt, nicht weit vom Basar Khan el Khalili. Sein Vater war Beamter, die Familie gehörte zur unteren Mittelschicht. Er studierte Philosophie an der Ägyptischen Universität, der heutigen Universität Kairo, und schloss 1934 ab. Danach arbeitete er im Staatsdienst, zuletzt im Bildungsministerium, und schrieb in seiner Freizeit. 1971 ging er in den Ruhestand. Sein Leben lang blieb er eng mit Kairo verbunden, die Stadt war sein Thema und sein Zuhause.

Von Pharaonen zu Hinterhöfen

Seine ersten Romane, erschienen zwischen 1939 und 1944, spielen im Alten Ägypten. Sie erzählen von Pharaonen und Königen, wurden aber auch als versteckte Kritik an der Gegenwart gelesen. Dann wandte er sich dem Alltag der Menschen zu. Romane wie Midaq Gasse und Miramar erzählen von Nachbarn, Händlern, Studenten und Frauen, von kleinen Hoffnungen und großen Enttäuschungen in den Gassen und Pensionen der Hauptstadt.

Weltberühmt wurde die Kairoer Trilogie aus den Jahren 1956 und 1957. Die drei Bände, auf Deutsch unter den Titeln Zwischen den Palästen, Palast der Sehnsucht und Zuckergässchen erschienen, begleiten eine Kairoer Familie über drei Generationen, vom Ersten Weltkrieg bis zu den Jahren nach dem Sturz von König Faruk 1952. Der strenge Familienvater, die Kinder und Enkel, das Wandeln der Zeit: Aus einer einzigen Familie wird ein Spiegel für das ganze Land. Mit der Trilogie fand Machfus auch in Ägypten breite Anerkennung.

Ein umstrittenes Buch

Nicht alle Bücher stießen auf Zustimmung. Der Roman Die Kinder unseres Viertels, 1959 als Fortsetzungsgeschichte in einer Zeitung erschienen, löste Proteste aus, weil manche Leser darin eine Verspottung religiöser Themen sahen. Der Abdruck wurde abgebrochen, und das Buch konnte in Ägypten lange Zeit nicht offiziell erscheinen. 1994 wurde Machfus vor seinem Haus mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt. Er überlebte, stand danach aber unter Polizeischutz. Er schrieb trotzdem weiter.

Der Nobelpreis

1988 erhielt Machfus den Nobelpreis für Literatur, als erster arabischer Autor überhaupt. Gewürdigt wurde vor allem sein sozialrealistisches Erzählwerk. Zur Preisverleihung nach Stockholm reiste er nicht selbst, seine Töchter nahmen den Preis für ihn entgegen. Der Preis machte ihn weltweit bekannt, und seither sind viele seiner Bücher auch auf Deutsch erschienen.

Ein Lebenswerk

Insgesamt schrieb Machfus mehr als 45 Romane und Erzählbände, rund 30 Drehbücher und mehrere Theaterstücke. Bis zu seinem Tod schrieb er außerdem eine Zeitungskolumne für die Zeitung Al Ahram. Er starb am 30. August 2006 im Alter von 94 Jahren in Kairo. In Ägypten wird er bis heute als Vater des ägyptischen Romans gefeiert.

Machfus in Kairo entdecken

Wer Machfus lesen will, hat mit der Kairoer Trilogie oder mit Midaq Gasse einen guten Einstieg. Und wer in Kairo ist, kann seine Welt auf einem Spaziergang durch die Altstadt von Gamaliya erahnen: enge Gassen, Moscheen, Cafés und Händler, wie sie in seinen Büchern vorkommen. Ein Roman im Gepäck macht den Besuch noch lebendiger, denn plötzlich hat jede Ecke eine Geschichte.

Mit NT World Travel lernt ihr Ägypten und seine Hauptstadt nicht nur als Kulisse kennen, sondern auch durch die Menschen, die sie geprägt haben. Ein Buch von Nagib Machfus im Reisegepäck ist dafür ein sehr guter Begleiter.

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