KAIRO & KULTUR

Planke für Planke zurück ins Licht: Das zweite Cheops-Schiff entsteht vor Publikum

08. Januar 2026 · NT World Travel Redaktion

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Im Grand Egyptian Museum können Besucher derzeit etwas erleben, das in dieser Form selbst in Ägypten außergewöhnlich ist: Ein mehr als 4.500 Jahre altes Königsschiff wird vor ihren Augen wieder zusammengesetzt.

Im Grand Egyptian Museum können Besucher derzeit etwas erleben, das in dieser Form selbst in Ägypten außergewöhnlich ist: Ein mehr als 4.500 Jahre altes Königsschiff wird vor ihren Augen wieder zusammengesetzt. Dabei handelt es sich nicht um eine Vorführung oder eine nachgebaute Kulisse, sondern um echte archäologische Restaurierungsarbeit.

Seit Dezember 2025 arbeiten ägyptische und japanische Fachleute im Museum am zweiten Schiff des Pharaos Cheops. Rund 1.650 konservierte Holzteile müssen untersucht, zugeordnet und Schritt für Schritt wieder an ihren ursprünglichen Platz gebracht werden. Bis das etwa 42 Meter lange Schiff vollständig zu sehen ist, werden voraussichtlich mehrere Jahre vergehen.

Zwei verschlossene Bootsgruben an der Cheops-Pyramide

Die Geschichte der beiden sogenannten Cheops-Schiffe begann im Jahr 1954. Damals wurden an der Südseite der Großen Pyramide von Gizeh zwei verschlossene Gruben entdeckt. In ihnen lagen die sorgfältig zerlegten Bestandteile zweier großer Holzschiffe.

Das erste Schiff befand sich in einem erstaunlich guten Zustand. Seine Teile wurden geborgen, konserviert und über viele Jahre hinweg zusammengesetzt. Das Ergebnis ist eines der eindrucksvollsten erhaltenen Wasserfahrzeuge der Antike: ein mehr als 43 Meter langes Schiff aus Zedernholz.

Lange Zeit wurde es in einem eigens errichteten Museum unmittelbar neben der Cheops-Pyramide gezeigt. Im Jahr 2021 erfolgte der aufwendige Transport in das Grand Egyptian Museum, wo es heute gemeinsam mit dem zweiten Schiff präsentiert werden soll.

Das zweite Schiff blieb wesentlich länger in seiner Grube. Sein Zustand war schwieriger, die einzelnen Holzteile waren empfindlicher und jede Bergung musste entsprechend vorsichtig erfolgen. Nach ihrer Freilegung wurden die Bauteile dokumentiert, stabilisiert und in das neue Museum gebracht.

Ein archäologisches Puzzle mit 1.650 Teilen

Wer bei einer Restaurierung an Pinsel, Lupen und kleine Keramikscherben denkt, wird beim zweiten Cheops-Schiff überrascht. Hier geht es um ein monumentales Objekt, dessen einzelne Bestandteile ursprünglich in mehreren Schichten in der Bootsgrube niedergelegt worden waren.

Jedes Holzstück muss zunächst eindeutig identifiziert werden. Risse, Verformungen und Spuren der jahrtausendelangen Lagerung werden untersucht, bevor ein Bauteil montiert werden kann. Moderne Verfahren wie dreidimensionale Dokumentation und präzise Vermessung helfen den Restauratoren dabei, die ursprüngliche Konstruktion nachzuvollziehen.

Trotz aller technischen Unterstützung bleibt die Arbeit eine enorme Herausforderung. Die Fachleute müssen verstehen, wie altägyptische Schiffbauer jedes einzelne Element bearbeiteten und mit den übrigen Teilen verbanden. Gleichzeitig darf die historische Substanz nicht durch zu hohe Belastungen gefährdet werden.

Die vollständige Rekonstruktion soll deshalb ungefähr vier Jahre dauern. Für Besucher liegt gerade darin der besondere Reiz: Das Cheops-Schiff erscheint nicht plötzlich als fertiges Ausstellungsstück. Seine Rückkehr lässt sich über einen längeren Zeitraum hinweg verfolgen – Planke für Planke.

War es wirklich eine Sonnenbarke?

Die Bezeichnung „Sonnenbarke“ ist weit verbreitet. Ob die Schiffe tatsächlich ausschließlich eine symbolische Funktion hatten, ist jedoch nicht abschließend geklärt.

Eine Theorie geht davon aus, dass ein Schiff beim Begräbnis des Pharaos verwendet worden sein könnte, möglicherweise für den Transport des königlichen Leichnams oder der Grabausstattung. Nach einer anderen Deutung sollten die Schiffe dem verstorbenen Herrscher im Jenseits dienen. Cheops hätte damit den Sonnengott Re auf dessen täglicher Fahrt über den Himmel begleiten können.

Auch eine Kombination aus praktischer und religiöser Verwendung ist denkbar. Im alten Ägypten waren reale Handlungen, königliche Rituale und Vorstellungen vom Leben nach dem Tod eng miteinander verbunden.

Die Schiffe erzählen damit nicht nur von hoch entwickelter Handwerkskunst. Sie führen mitten hinein in die altägyptische Gedankenwelt, in der der Tod als Übergang und die Reise als Sinnbild für das Weiterleben verstanden wurde.

Ein Schiffbauwissen, das Jahrtausende überdauerte

Schon die Größe des ersten rekonstruierten Schiffes zeigt, über welches Können die Schiffbauer des Alten Reiches verfügten. Große Holzplanken wurden präzise bearbeitet und so miteinander verbunden, dass ein stabiler Schiffskörper entstand.

Dass ein derart komplexes Wasserfahrzeug aus der Zeit um 2500 v. Chr. überhaupt wieder zusammengesetzt werden kann, ist außergewöhnlich. Holz gehört zu den vergänglichen Materialien und übersteht nur selten mehrere Jahrtausende. Die trockenen Bedingungen auf dem Gizeh-Plateau und die verschlossenen Gruben haben entscheidend zur Erhaltung beigetragen.

Das zweite Cheops-Schiff ist daher weit mehr als eine archäologische Sehenswürdigkeit. Es ist eine seltene Quelle zur Geschichte des Schiffbaus, des königlichen Totenkults und der technischen Fähigkeiten im Alten Ägypten.

Archäologie, die sich sichtbar verändert

Museen zeigen uns Geschichte meist in ihrem fertigen Zustand: restauriert, beschriftet und hinter Glas geschützt. Im Grand Egyptian Museum lässt sich dagegen beobachten, wie aus zahlreichen empfindlichen Einzelteilen allmählich wieder ein vollständiges Schiff entsteht.

Wer das Museum mehrmals besucht, wird den Fortschritt sogar selbst erkennen können. Genau das macht dieses Projekt so spannend. Die Ausstellung bleibt nicht statisch, sondern verändert sich mit der Arbeit der Restauratoren.

Auch die unmittelbare Nähe zu den Pyramiden verleiht dem Erlebnis eine besondere Verbindung. Am Vormittag kann man die Große Pyramide und die historische Fundstelle der Schiffe kennenlernen – und wenig später im Museum sehen, wie eines dieser Schiffe wieder Gestalt annimmt.

Das Grand Egyptian Museum und die Pyramiden von Gizeh lassen sich hervorragend in eine sorgfältig geplante Kairo-Reise integrieren. Entsprechende Reiseideen und Kombinationen finden Sie auf [niltours.de](https://www.niltours.de/) und [nt-travel.eu](https://www.nt-travel.eu/).

*Stand der Informationen: August 2026. Quellen: [Grand Egyptian Museum](https://gem.eg/collection/khufus-boats-museum/) und [Associated Press, 23. Dezember 2025](https://apnews.com/article/egypt-pharaoh-boat-grand-museum-f1f69878c838832e07e1047ed67265e9).* Bildnachweis: Foto: kallerna / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

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