GESCHICHTE

Wie ein Eroberer aus Griechenland zum Pharao wurde

12. Dezember 2025 · NT World Travel Redaktion

Wie ein Eroberer aus Griechenland zum Pharao wurde

Alexander der Große verbrachte nur wenige Monate in Ägypten, wurde dort aber zum Pharao gekrönt, zog zum Orakel von Siwa und gründete Alexandria, eine Stadt, die seinen Namen bis heute trägt.

Nur wenige historische Figuren haben Ägypten so nachhaltig geprägt wie ein junger Feldherr, der nie dort geboren wurde und das Land nur wenige Monate seines Lebens tatsächlich betrat. Alexander der Große kam, sah und veränderte die Geschichte Ägyptens für die kommenden dreihundert Jahre, allein durch das, was er in dieser kurzen Zeit anstieß.

Ein Eroberer, der ohne Kampf empfangen wurde

Im Jahr 332 vor Christus zog Alexander nach seinem Sieg über die Perser in der Schlacht von Issos weiter südwärts, nachdem er zuvor die widerspenstige Stadt Tyros erobert hatte. Als er schließlich Ägypten erreichte, geschah etwas, das für einen Eroberer seiner Zeit ungewöhnlich war. Statt auf erbitterten Widerstand zu treffen, wurde er von der Bevölkerung nahezu herzlich willkommen geheißen. Die Ägypter hatten unter der persischen Herrschaft gelitten, die ihre religiösen Traditionen wenig respektiert hatte, und sahen in Alexander eine Art Befreier. Klug wie er war, respektierte Alexander im Gegenzug die ägyptischen Sitten und Kulte, ließ sich in Memphis nach altem Zeremoniell krönen und wurde damit ganz offiziell zum neuen Pharao Ägyptens.

Sohn des Amun, in zwei Kulturen zugleich

Besonders bedeutsam wurde dabei ein Titel, den die Ägypter Alexander verliehen: Sohn des Gottes Amun Re. In der ägyptischen Vorstellung war der Pharao ohnehin stets göttlicher Abstammung, doch für Alexander persönlich traf diese Bezeichnung einen empfindlichen Nerv. In der griechischen Mythologie ließ sich Amun nämlich problemlos mit Zeus gleichsetzen, wodurch Alexander sich quasi gleichzeitig als Sohn beider Götter verstehen konnte, je nachdem, mit welcher Kultur er gerade sprach. Diese doppelte Legitimation als Gottessohn sollte für sein weiteres Selbstverständnis als Herrscher noch von großer Bedeutung sein.

Die beschwerliche Reise zum Orakel von Siwa

Um genau diese Gottessohnschaft noch einmal offiziell bestätigen zu lassen, unternahm Alexander eine mühsame Reise tief in die westliche Wüste, zur abgelegenen Oase Siwa. Dort befand sich eines der berühmtesten Orakel der antiken Welt, gewidmet ebenjenem Gott Amun. Der Weg durch die Wüste war lang, beschwerlich und nicht ohne Risiko, doch für Alexander lohnte sich der Aufwand. Die Priester des Orakels empfingen ihn mit den erhofften Worten und bestätigten seine göttliche Abstammung. Was genau in der Kultstätte selbst gesprochen wurde, ist historisch nicht vollständig überliefert, doch die Nachricht seiner göttlichen Bestätigung verbreitete sich rasch und festigte Alexanders Ruf als von den Göttern legitimierter Herrscher, sowohl bei den Ägyptern als auch bei seinen eigenen Truppen.

Eine Stadt, die seinen Namen bis heute trägt

Der wohl langlebigste Beitrag Alexanders zu Ägypten war jedoch keine religiöse Zeremonie, sondern eine ganz praktische Entscheidung. An der Mittelmeerküste, nahe eines kleinen Fischerdorfes, ließ er eine neue Stadt gründen und gab ihr seinen eigenen Namen, Alexandria. Er selbst sollte die fertige Stadt nie zu Gesicht bekommen, da er Ägypten bald darauf wieder verließ, um seinen Feldzug gegen den persischen König Dareios fortzusetzen. Trotzdem entwickelte sich Alexandria in den folgenden Jahrhunderten zu einer der bedeutendsten Metropolen der antiken Welt, mit ihrer berühmten Bibliothek, ihrem Leuchtturm und ihrer Stellung als intellektuelles Zentrum, das Griechen, Ägypter und später auch Römer gleichermaßen anzog.

Das Erbe, das nach seinem Tod blieb

Als Alexander im Jahr 323 vor Christus in Babylon starb, zerfiel sein riesiges Reich rasch unter seinen Generälen. Einer von ihnen, Ptolemaios, sicherte sich Ägypten und begründete dort die Ptolemäische Dynastie, die das Land für die nächsten drei Jahrhunderte regieren sollte, bis schließlich Kleopatra als letzte Vertreterin dieser griechisch geprägten Herrscherlinie den Thron verlor. Der Überlieferung nach ließ Ptolemaios sogar Alexanders Leichnam nach Alexandria überführen, wo er in einem prunkvollen Grabmal beigesetzt worden sein soll. Bis heute gilt der genaue Standort dieses Grabes als eines der großen ungelösten Rätsel der Archäologie, Generationen von Forschern haben in und um Alexandria danach gesucht, bislang ohne endgültigen Erfolg.

Eine kurze Episode mit langer Wirkung

Alexander verbrachte nur wenige Monate in Ägypten, und doch veränderte er den Lauf der ägyptischen Geschichte nachhaltiger als so manch anderer Herrscher, der Jahrzehnte auf dem Thron saß. Die Stadt, die er gründete, prägt die Küste bis heute, und die Dynastie, die aus seinem Erbe entstand, brachte mit Kleopatra eine der bekanntesten Herrscherinnen der Weltgeschichte hervor.

Ihr wollt selbst einmal durch die Straßen der Stadt schlendern, die Alexander der Große gegründet hat? Ein Abstecher nach Alexandria lässt sich wunderbar in eure Ägyptenreise einbauen, sprecht uns dafür einfach gerne an.

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